Amiir Nelson: Das kurze Leben des Sohnes von Prince und Mayte Garcia

Amiir Nelson

Die Tragödie um Amiir Nelson, dem einzigen leiblichen Kind des Musikgenies Prince, ist eine der herzzerreißendsten und privatesten Episoden im Leben des weltberühmten Künstlers. Seine nur sieben Tage dauernde Existenz hinterließ eine bleibende Narbe und hatte tiefgreifende, dauerhafte Auswirkungen auf sein Eltern.

Die Vorfreude und der Verlust: Eine persönliche Tragödie

Für Prince und die Tänzerin Mayte Garcia begann das Jahr 1996 voller Hoffnung. Nachdem sich ihre langjährige Freundschaft zu einer romantischen Beziehung entwickelt hatte, heirateten sie am Valentinstag in einer intimen Zeremonie im Paisley Park. Kurz darauf verkündete Mayte ihre Schwangerschaft, und das Paar bereitete sich auf sein erstes gemeinsames Kind vor.

Die Freude währte jedoch nur kurz. Am 16. Oktober 1996 kam ihr Sohn, Amiir Gregory Nelson, zur Welt. Der Name „Amiir“, arabisch für „Prinz“, war eine bewusste Weitergabe des väterlichen Namens. Doch der Moment der Geburt war von Schock geprägt. Als die Krankenschwestern das Baby unter das helle Licht des Kreißsaals hielten, verwandelte sich die Begeisterung auf Princes Gesicht laut Mayte Garcia in blankes Entsetzen.

Amiir litt unter dem Pfeiffer-Syndrom Typ 2, einer seltenen genetischen Erkrankung, die zu schweren Fehlbildungen führt. Charakteristisch sind eine vorzeitige Verknöcherung des Schädels (die oft zu einem sogenannten Kleeblattschädel führt), weit auseinanderstehende Augen, die außerhalb der Augenhöhlen liegen können, sowie verschmolzene Finger und Zehen. Trotz medizinischer Versorgung kämpfte das Baby sechs Tage lang um sein Leben, bevor es am 23. Oktober 1996 verstarb.

Mayte Garcia beschrieb diese Tage in ihrer Autobiografie als qualvoll. Sie erinnerte sich, wie Amiir flache, kleine Atemzüge schnappte und sie seine winzige Hand hielt, während sie ihm wiederholt zusprach: „Mama liebt dich, Mama ist hier“.

Schweigen und Trauer: Princes Umgang mit dem Verlust

Prince, der für sein intensives Bedürfnis nach Privatsphäre bekannt war, reagierte auf die Tragödie mit einem totalen Rückzug aus der Öffentlichkeit. Statt die Trauer zu teilen, versuchte er, den Tod seines Sohnes vollständig zu vertuschen. Dieser Deckmantel reichte so weit, dass der Tod des Kindes den Behörden monatelang verborgen blieb. Die Todesbescheinigung listete das Baby unter dem falschen Namen „Boy Gregory“, die Mutter als „Mia Gregory“ und ließ das Feld für den Vater leer. Princes damalige Angestellte halfen bei der Einäscherung und der Vertuschung.

EreignisDatumBeschreibungZeitlicher Kontext
Geburt16. Oktober 1996Amiir Gregory Nelson wird geboren. Sein Name bedeutet „Prinz“ auf Arabisch.
DiagnoseBei der GeburtDas Baby leidet am seltenen Pfeiffer-Syndrom Typ 2 mit schweren Fehlbildungen.Sofort nach der Entbindung
Tod23. Oktober 1996Amiir stirbt nach sechs Tagen im Krankenhaus.6 Tage nach der Geburt
„Oprah“-Interview21. November 1996Prince und Mayte geben ein Interview und zeigen das Kinderzimmer, ohne den Tod ihres Sohnes zu erwähnen.Nur 4 Wochen nach Amiirs Tod
Todesbescheinigung1997Wird auf den Namen „Boy Gregory“ ausgestellt, Teil der Vertuschung.Monate nach dem Tod

Diese extreme Reaktion zeigt die Tiefe seines Schmerzes. Nur knapp einen Monat nach Amiirs Tod gaben Prince und Mayte ein denkwürdiges Interview bei Oprah Winfrey. Sie führten die Moderatorin durch das liebevoll eingerichtete Kinderzimmer im Paisley Park, sprachen jedoch mit keinem Wort über den Verlust. Auf die direkte Frage nach dem Baby antwortete Prince nur ausweichend: „Nun, unsere Familie existiert. Wir fangen gerade erst an.“. Mayte erklärte später, dass sie zu diesem Zeitpunkt den Tod ihres Kindes noch nicht verarbeitet hatten.

Künstlerische Verarbeitung: Die Musik als Ventil

Während Prince öffentlich schwieg, fand er in der Musik einen Weg, seine Trauer auszudrücken. Zwei Jahre nach Amiirs Tod veröffentlichte er auf seinem akustischen Album „The Truth“ (1998) den Song „Comeback“. Der knapp zweiminütige Track ist eine zutiefst bewegende Hommage an seinen Sohn. Die zentrale Textzeile lautet: „If you ever lose someone dear to you, never say the words ‘they’re gone’. They’ll come back.“ („Wenn du jemals jemanden verlierst, der dir teuer ist, sage niemals die Worte ‚sie sind fort‘. Sie werden zurückkommen.“).

Für Mayte war das Lied bei der ersten Hörprobe zu überwältigend. „Mein Herz sank“, schrieb sie. „Die Schönheit und Kraft des Songs bewegten mich zutiefst, aber damals war es zu roh und für mich zu früh.“ Sie erkannte darin jedoch Princes einzigartige Art der Trauerbewältigung: „Das Schreiben des Songs erlaubte ihm, auf eine Weise um Amiir zu trauern, die ihm persönlich, sogar mit mir, seiner Ehefrau, schwerfiel.“.

Die Bedeutung von „Comeback“ für Prince war so groß, dass es der einzige Song war, der auf seiner eigenen Beerdigung im Jahr 2016 gespielt wurde. In einem offenen Brief nach Princes Tod schloss Mayte mit den Worten: „Er ist jetzt bei unserem Sohn. Ich weiß, dass sie endlich zusammen sind.“.

Langfristige Folgen: Das Ende einer Ehe und ein anhaltendes Vermächtnis

Die gemeinsame Trauer zerbrach letztendlich die Ehe. Eine weitere Fehlgeburt im Jahr 1997 verschlimmerte den Schmerz noch. Mayte Garcia erklärte, der Verlust eines Kindes könne ein Paar entweder enger zusammenschweißen oder auseinandertreiben – in ihrem Fall war es das Letztere. Die Ehe wurde im Jahr 2000 geschieden.

Beide Elternteile haben bekundet, den Verlust nie überwunden zu haben. „Ich glaube nicht, dass er das jemals überwand“, sagte Mayte über Prince. Für sie selbst wurde die Trauer zu einer lebenslangen Begleiterin, die sie jedoch auch zu einem Engagement für andere trauernde Eltern führte.

Die Geschichte von Amiir Nelson ist mehr als nur eine tragische Fußnote im Leben einer Pop-Ikone. Sie ist eine erschütternde Darstellung universellen Elternschmerzes, der auch vor weltberühmten Künstlern nicht Halt macht. Sie beleuchtet Princes komplexe Persönlichkeit – sein Bedürfnis nach absoluter Kontrolle über sein Image und seine Privatsphäre kollidierte hier mit einem Verlust, der sich nicht kontrollieren ließ. Sein Schweigen in der Öffentlichkeit und sein verzweifelter Versuch der Vertuschung standen im krassen Gegensatz zu der schmerzlich intimen und direkten künstlerischen Verarbeitung in „Comeback“.

Die sieben Tage des kleinen Amiir veränderten für immer das Leben seiner Eltern und hinterlassen bis heute ein bewegendes Vermächtnis in der Musik und in der Erinnerung aller, die von dieser stillen Tragödie erfahren. Sie erinnert uns daran, dass hinter der öffentlichen Persona eines Superstars oft ein Mensch mit unaussprechlichem Leid steht, der seine Trauer auf die einzige Weise bewältigen kann, die er kennt.

Michael Holm Krankheit